Thema

Strukturen neu denken

In seiner 8. Ausgabe wandelt sich das IntegrART-Symposium zu einem breiter angelegten Reflexionsformat: Zwischen März und Juni 2021 finden neu, in Kooperation mit den vier Partnerfestivals, zahlreiche Vertiefungs-Module mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt. Höhepunkt bildet die IntegrART-Tagung im September, bei der neu auch die Ergebnisse der Module präsentiert werden.

IntegrART-Tagung «Strukturen neu denken» 21./22. September 2021, Gessnerallee Zürich

Die Kulturlandschaft befindet sich im Umbruch – bedingt durch globale gesellschaftliche und politische Ereignisse. Dies fordert in besonderem Masse, innezuhalten und Arbeitsstrukturen und -prozesse zu hinterfragen. Die Arbeitsweisen von Institutionen basieren fast immer auf den Annahmen einer Norm. Menschen, die dieser Norm nicht entsprechen, kommen entsprechend nicht vor, Ausschlüsse werden (re)produziert. Welcher Arbeit bedarf es, um neue Modelle nachhaltig zu etablieren und wie können intersektionale Aspekte miteinbezogen werden?  

Theaterhäuser zeigen zwar öfters Produktionen von und mit Künstler*innen mit Behinderungen als noch vor 10 Jahren. Das ist zu begrüssen. Dennoch: Künstler*innen mit Behinderungen, die volle kreative Autorität über ihre Arbeit haben, sind immer noch eine Seltenheit in der Schweiz. Die künstlerische Leitung von inklusiven Projekten liegt oft bei nichtbehinderten Menschen. Ebenso befinden sich keine Menschen mit Behinderungen in institutionellen kulturellen Leitpositionen. Der einzige Weg, um diese Ziele zu erreichen, ist ein strukturelles Umdenken. Nur so können ko-kreative Handlungsmuster und neue Arbeitsweisen entstehen, die Veränderungen möglich machen.

Künstler*innen mit Behinderungen im In- und Ausland arbeiten bereits an Modellen, die Strukturen neu denken und nicht von einer Norm ausgehen, an welche Menschen mit Behinderungen sich anpassen müssen. Die Tagung lädt mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen dazu ein, zuzuhören, Fragen zu stellen und die Realität neu zu gestalten.

Mit «Sketch of Togetherness» wird das erste Mal eigens eine künstlerische Arbeit für das IntegrART Reflexionsformat produziert. Die Schweizer Choreographin Lea Moro adaptiert für IntegrART gemeinsam mit Nina Mühlemann ihr performatives Projekt, das die physischen, sozialen, persönlichen und emotionalen Qualitäten der Begegnung zwischen zwei Menschen untersucht: Ein*e Politker*in und ein*e Künstler*in mit Behinderung verbringen einen Tag zusammen, begleitet von einer Kamera. An der Tagung begegnen sie sich ein zweites Mal, diesmal vor Publikum. Dabei wird ihr Zusammensein ins Zentrum gerückt und die Möglichkeiten, einander zu begegnen, auf die Probe gestellt. Es eröffnen sich Resonanz- und Reflexionsräume, die Möglichkeiten des Miteinanders verhandeln.